„Mit ins Leben gehen“ – Zukunftsprozess und Modernisierung im Sankt Vincenzstift.

Rüdesheim-Aulhausen, 08. November 2019 – „Mit ins Leben gehen“, die Maxime des Gründers Matthäus Müller des Sankt Vincenzstiftes in Rüdesheim-Aulhausen könnte nicht treffender den Prozess beschreiben, der seit 2006 in Aulhausen vonstattengeht. „In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich der Umgang mit behinderten Menschen sehr positiv verändert. War man früher der Auffassung, Menschen mit Beeinträchtigungen sollten von der übrigen Gesellschaft getrennt leben, versucht man glücklicherweise heute den umgekehrten Weg zu gehen“, begrüßt der FDP Landtagsabgeordnete Stefan Müller den Veränderungsprozess im Sankt Vincenzstift in Aulhausen. Der Sprecher der Geschäftsführung des St. Vincenzstiftes, Dr. Dr. Caspar Söling, erläuterte, dass diese Veränderung im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen es notwendig mache, bestehende Konzepte neu zu denken, sowohl was die räumliche Gestaltung, als auch die pädagogische Ausrichtung angeht. Es müssten Lösungen gefunden werden, die den nationalen Regelungen entsprechen aber auch die Vorgaben der UN-Konvention für Menschen mit Beeinträchtigungen berücksichtigen.

Inklusion – Dezentralisierung – Ambulantisierung.

Das Sankt Vincenzstift – mit insgesamt rund 1.300 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Region – geht diesen neuen Weg konsequent und dauerhaft und hat in den vergangenen zwölf Jahren mehrere dezentrale Kinderhäuser und Wohnhäuser für Erwachsene im Rheingau und im Rhein-Main-Gebiet eröffnet. Die ersten dezentralen Angebote gibt es sogar bereits seit über drei Jahrzehnten.

Aber auch das Areal in Aulhausen, Vincenzpark genannt, verändert sich grundlegend. Das ursprüngliche Hauptgebäude ist um zwei Flügel geschrumpft, neue Angebote für die dort lebenden Menschen mit Beeinträchtigungen werden ermöglicht. Wie die gesamte Gesellschaft, werden auch die im Sankt Vincenzstift lebenden Menschen älter. Die Notwendigkeit von weiterführenden Betreuungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten ist groß. Der sich weiter entwickelnde Vincenzpark sieht eine konzeptionell erweiterte Öffnung des Areals nach außen vor. Veranstaltungen des Rheingau Musik Festivals, Veranstaltungen externer Vereine und Kulturgruppen laden die Bevölkerung auf das Gelände ein und schaffen so ein neues Miteinander.

Ausbildung der Heilerziehungspfleger muss noch attraktiver werden.

„Nur dann, wenn wir genügend gut ausgebildetes Personal haben, können wir den Menschen, die in unseren Einrichtungen leben, gerecht werden“ betont Dr. Dr. Söling. Über die räumliche Gestaltung der Wohn- und Lebenssituation hinaus sei die Qualifikation der Betreuenden mit das wichtigste Glied in der Kette der Gesamtkonzeption. „So muss etwa die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger so attraktiv gestaltet werden, dass junge Menschen, die für diese sensible Tätigkeit berufen sind, sich auch für diesen Beruf entscheiden. Hierzu gehört auch, dass sie über die gesamte Zeit ihrer Ausbildung eine Vergütung bekommen. Deshalb hat das Sankt Vincenzstift in seiner Fachschule für Sozialwesen, Fachrichtung Heilerziehungspflege im „Roten Haus“ in Geisenheim mit dem Schuljahr 2019/2020 erstmals eine Vergütung ab dem ersten Ausbildungsjahr eingeführt“, so Dr. Dr. Söling weiter. „Bereits im ersten Jahr bekommen die Studierenden über Tausend Euro, die sich in den folgenden Ausbildungsjahren noch erhöhen.“

Mit der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) werden ab 2020 auf den Kreis neue Herausforderungen zukommen.

Ab dem Jahr 2020 wird der Kreis intensiver in die organisatorischen Abläufe und die Abwicklungsmechanismen der Lebensgestaltung von Menschen mit Beeinträchtigungen eingebunden werden. „Sollten wir es wirklich schaffen, die im BTHG avisierten, umfangreichen Individualisierungsmaßnahmen in diesem Bereich zu realisieren, so wird es für die Betroffenen deutliche Verbesserungen bringen,“ stellt Stefan Müller abschließend fest.